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 31.12.96 - 17.10.2003
 

 










==> 17.10.2003 tarihli mektup (Türkçe)
Büyükelci Ýrtemçelik'in 17.10.2003 tarihli mektubu

 

 

 

  Der Brief des Botschafters Mehmet Ali Ýrtemçelik an die Entscheidungsträger und Meinungsführer in Deutschland über die Beziehungen zwischen der Türkei und der Europäischen Union,
 

Berlin, 17. Oktober 2003

In Anbetracht meines Amtsantritts in der Bundesrepublik Deutschland möchte ich die Gelegenheit ergreifen, mich mit folgenden Ausführungen an Sie zu wenden. Wie Sie sich erinnern werden, wurde in den Schlussfolgerungen des Vorsitzes des Europäischen Rates von Kopenhagen am 12./13. Dezember 2002 in Bezug auf die Beziehungen zwischen der Türkei und der EU Folgendes festgehalten: „Entscheidet der Europäische Rat im Dezember 2004 auf der Grundlage eines Berichts und einer Empfehlung der Kommission, dass die Türkei die politischen Kriterien von Kopenhagen erfüllt, so wird die Europäische Union die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei ohne Verzug eröffnen.” Je näher das Datum Dezember 2004 rückt, wird daher die Frage „Was wird passieren?” zu einem wichtigen Tagesordnungspunkt, der selbstverständlich sowohl in der Türkei als auch in den EU-Ländern zunehmend im Vordergrund stehen wird.

Die Türkei hat sich als Staat und Gesellschaft dem Ziel der EU-Mitgliedschaft verschrieben. So hat die Türkei zur Erfüllung der Verpflichtungen, die die Verleihung des Beitrittskandidatenstatus auf dem Gipfel in Helsinki mit sich gebracht hat, einerseits in ihrer Gesetzgebung Reformen durchgeführt, die von unabhängigen Beobachtern als „revolutionär“ bezeichnet werden. Zugleich besitzt sie auf höchster Ebene den klaren Willen, diese Reformen umzusetzen. Ihr Ziel ist es, einen weiteren wichtigen Meilenstein auf dem Weg zur Mitgliedschaft zu erreichen und zum Zwecke eines unverzüglichen Beginns der Verhandlungen das Ihrige auf die bestmögliche Weise rechtzeitig zu erfüllen.

Zweifellos gibt es Spielregeln und diese sind bekannt. Auf dem Europäischen Rat im Dezember 2004 ist es nicht die Türkei, die entscheiden wird, sondern es sind die Staats- und Regierungschefs der EU-Mitgliedstaaten. Da das Resultat dieser Entscheidung uns alle betreffen wird, liegt es auf der Hand, dass dieses Thema in der Türkei und auch in den EU-Ländern, insbesondere in dem führenden EU-Mitgliedsland Deutschland, mit dem die Türkei rege und vielseitigste Beziehungen unterhält, im Mittelpunkt einer lebhaften Diskussion stehen wird. Selbstverständlich wird diese Diskussion nach der Veröffentlichung des Fortschrittsberichts der EUKommission Anfang November diesen Jahres noch intensiver geführt werden.

Die Türkei sieht dieser Diskussion hoffnungsvoll entgegen, denn sie stellt eine Gelegenheit dar, um die starren und voreingenommenen Meinungen, die unzureichenden bzw. nicht den Tatsachen entsprechenden Kenntnisse über die Türkei in der europäischen Öffentlichkeit durch aktuelle und richtige Informationen zu korrigieren. Zum anderen ist die Türkei der Ansicht, dass die Mitgliedsländer dabei helfen werden, dass die Haltung ihrer Regierungen von verschiedenen Bevölkerungsteilen besser verstanden wird, da es sich bei den Regierungspositionen um das Ergebnis vielschichtiger und strategischer Beurteilungen handelt. Unser vorrangiger Wunsch bei diesem Prozess ist es, dass die Diskussion über den „Dezember 2004“, von der wir glauben, dass sie sehr nützlich sein wird, in den EU-Ländern und insbesondere in Deutschland getrennt von der Innenpolitik und auf der Grundlage von Informationen geführt wird, die ein korrektes und aufrichtiges Bild wiedergeben. Darüber hinaus sollte sich diese Debatte im Sinne des Verlaufs der Menschheitsgeschichte vollziehen, d.h. mit Verantwortungsgefühl, mit einer weitsichtigen Einstellung und innerhalb ihres tatsächlichen Rahmens. Die folgenden Seiten sind nach meinem Amtsantritt in der Bundesrepublik Deutschland, deren intensiven und guten Beziehungen in allen Bereichen die Türkei besondere Bedeutung beimisst, mit diesen Gedanken verfasst worden, damit die Entscheidungsträger und Meinungsführer in Deutschland diese zur Verfügung haben. Ich hoffe, dass Sie dies im selben Verständnis zur Kenntnis nehmen, wie es verfasst wurde.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und verbleibe mit dem Wunsch, Sie bald kennen lernen zu können.

Mehmet Ali Ýrtemçelik


 

 

 

Auf dem Weg
zum EU-Gipfel im Dezember 2004
und
die Zeit danach

Die Beziehungen
zwischen der Türkei
und der Europäischen Union

***

17. Oktober 2003

 

 

Botschaft der Türkei
Berlin

Das Wichtigste ist zweifellos, dass die Entscheidung der EU auf dem Gipfeltreffen im Dezember 2004 auf die richtige Grundlage und in den entsprechenden Rahmen gesetzt wird. Der wahrscheinlich beste Weg hierfür beginnt mit der klaren Beantwortung folgender Frage:

“Was beinhaltet die die Türkei betreffende Entscheidung auf dem Gipfeltreffen der EU im Dezember 2004? Geht es um die Mitgliedschaft der Türkei?

Die Beziehungen zwischen der Türkei und der EU entwickeln sich nicht im leeren Raum, sondern in einem vertraglich vereinbarten Rahmen. Seit dem Ankara-Abkommen von 1963, das die Basis der Beziehungen zwischen beiden Seiten bildet, war der Kurs stets auf eine Mitgliedschaft der Türkei in der EU ausgerichtet, auch wenn es in diesem Prozess zuweilen Stagnation und Verzögerungen gab, wurde dieses Ziel nie aus den Augen verloren.

Wenn man sich dem Datum Dezember 2004 auf dieser vertraglichen und historischen Grundlage nähert, so sollte man sich im Klaren sein, welche Bedeutung die zu treffende Entscheidung haben wird und welche nicht. Es ist zu beobachten, dass die gegenwärtig verkündeten Botschaften einiger politischer Persönlichkeiten und Meinungsmacher des öffentlichen Lebens, leicht so aufgefasst werden können, als wäre die Entscheidung im Dezember zur Aufnahme von Beitrittsverhandlungen mit der Türkei gleichbedeutend mit einer EU-Mitgliedschaft der Türkei. Solche Darstellungen, die offensichtlich diejenigen Bevölkerungskreise in den EU-Staaten, insbesondere in der Bundesrepublik Deutschland beunruhigen, die mental und emotional auf eine EU-Mitgliedschaft der Türkei nicht vorbereitet sind, werden möglicherweise nicht mit schlechter Absicht geäußert. Sicher ist jedoch, dass sie mit der Realität unvereinbar sind.

Bis zur Vollmitgliedschaft der Türkei wird noch einige Zeit vergehen und die Entscheidung darüber wird erst dann von den Parlamenten der einzelnen EUMitgliedsländern und vom EU-Parlament einerseits sowie dem Parlament der Türkei andererseits getroffen werden, wenn die technischen Kriterien in dem noch einzuleitenden Verhandlungsprozess erfüllt werden. (An dieser Stelle scheint es angebracht, darauf hinzuweisen, dass wie im Fall von Spanien und Portugal beim Übergang zur  Mitgliedschaft eventuell in einigen Bereichen – z.B. im Bereich der Freizügigkeit -  auch Übergangsregelungen festgeschrieben werden können.) Tatsache ist auch, dass die einzige und alleinige Bedeutung der Entscheidung über die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen darin liegen wird, zu bestätigen, dass die Türkei die Kopenhagener Kriterien zufriedenstellend erfüllt und damit in den Beziehungen – die seit langem die Perspektive auf eine Mitgliedschaft beinhalten - der Übergang in die nächste Phase erfolgen kann.

Mit anderen Worten, das “Ja” zur Türkei im Dezember 2004 wird nicht die Mitgliedschaft der Türkei zur Folge haben, sondern lediglich die großen aufgewendeten Energien der Türkei zur Angleichung an die politischen Normen der EU und den an den Tag gelegten starken Willen sowie die erzielten Erfolge anerkennen und würdigen. Über die schönen Worte hinaus bedeutet dies, den Prozess mit überzeugender und konkreter Ermutigung und natürlich der Bestätigung des Willens, die Beziehung mit der Türkei bis zum Ziel voranzubringen, fortzusetzen. Vor diesem Hintergrund entbehrt die Art und Weise der Darstellung in Bezug auf den Dezember 2004, die die Öffentlichkeit in der EU und besonders in der Bundesrepublik Deutschland in Aufregung versetzten und die zu einer zeitlich unpassenden und unangebrachten Polarisierung zwischen denen führten, die im Hinblick auf die EUMitgliedschaft der Türkei unterschiedliche Auffassungen vertreten, jeder Grundlage.

Zusammengefasst: Die Festlegung eines Datums im Dezember 2004 zur Eröffnung der Verhandlungen, das die Türkei erwartet und wofür sie sich zunehmend “im Geiste einer nationalen Mobilmachung” mit großer Anstrengung eingesetzt hat, wird im Grunde dafür Sorge tragen, dass die Beziehungen im vertraglichen Rahmen bleiben. Eine andere, unmäßig übertriebene Bedeutung kommt dem nicht zu. Um Missverständnisse zu vermeiden, sollte zugleich darauf hingewiesen werden, dass die Angelegenheit nicht so einfach oder eindimensional ist.

Sollten trotz der großen Anstrengungen und der Entschlossenheit der Türkei, diesen Weg zu beschreiten, Bedenken oder gar verdeckte Ablehnung zum Vorschein kommen, noch dazu vor dem allgemein bekannten Hintergrund, dass einige der Kandidatenländer, die im Mai 2004 der EU beitreten, bei Aufnahme der Beitrittsverhandlungen viele Voraussetzungen im Rahmen der politischen Kriterien nicht erfüllten - dies sei hier nicht als Kritik, sondern lediglich als Hinweis erwähnt - so wird es aus Sicht von weiten Bevölkerungsteilen in der Türkei äußerst schwierig sein, diese Haltung anders auszulegen als ein „vorbereitendes Nein”. Dies ist ein sensibler Punkt, der nicht vernachlässigt werden sollte. Wer daraus einen Vorteil ziehen wird, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht absehbar. Die Türkei, die in den

Beziehungen zur EU eine entschlossene und realistische Politik verfolgt hat, im Dezember 2004 mit Begründungen, die nicht mal deren Urheber überzeugen und die hinsichtlich der Bedeutung der vielfältigen Türkei-EU-Beziehungen unverhältnismäßig sind, zu der Überzeugung kommen zu lassen, “der Ungerechtigkeit und Diskriminierung ausgesetzt worden zu sein”, lassen diesen Rückschluss zu. In wessen Interesse dies über kurz oder lang sein wird, ist eine strategische Frage, über die ernsthaft nachgedacht werden müsste, die aber außerhalb der Zielsetzung dieser Ausführungen liegt.

***

Auch wenn sich die Angelegenheit und die Sachlage wie beschrieben darstellt und in der Annahme, dass diejenigen Kreise, die eine Mitgliedschaft der Türkei trotz der bemerkenswert positiven Entwicklungen ablehnen und anscheinend noch nicht bereit sind, ihre Ansichten zu überprüfen, ihre bekannten Thesen und Argumentationen erneut in die Diskussion einfließen lassen, ist es sinnvoll, diese Thesen und auch die entsprechenden Antworten an dieser Stelle in Erinnerung zu rufen.

“Zwischen der Türkei und der EU gibt es unvereinbare kulturelle und historische Unterschiede. Aus diesem Grund gehört die Türkei nicht in die EU”

Es ist bekannt, dass hierbei vor allem die Frage der “Religion” gemeint ist, auch wenn dies nicht immer offen ausgesprochen wird. Die aufgestellte Behauptung beinhaltet, dass die EU eine ausschließlich christlich geprägte europäische Organisation ist oder sein sollte.

Inwieweit die Auffassung von einem Teil der Menschen, die nach ihrer jeweiligen Religionszugehörigkeit an den gleichen Schöpfer glauben, als seien die anderen von einem anderen Gott erschaffene Wesen, von denen man sich distanzieren sollte, oder allgemein gesagt, ob solche Einstellungen, die durch eine Unterscheidung der Menschen und Gesellschaften nach ihrem Glauben (oder Unglauben) zur Frontenbildung führen könnten, theologisch und moralisch richtig oder angebracht sind, ist ein Thema, auf dessen Erörterung in diesen Ausführungen verzichtet wird. Es ist jedoch in diesem Zusammenhang sinnvoll, auf jeden Fall auf einige Punkte kurz hinzuweisen:

1)      Das Ankara-Abkommen (1963), das die Grundlage des Partnerschaftsverhältnisses zwischen der Türkei und der EU bildet und die Perspektive auf eine Mitgliedschaft der Türkei beinhaltet.

2)      Die eindeutige Aussage der EU (1989) bzgl. des Antrags der Türkei auf Mitgliedschaft (1987), dass die Türkei die “Fähigkeit” besitzt, EU-Mitglied zu werden.

3)      Die Entscheidung zur Gründung einer “Zollunion” (1995) zwischen beiden Parteien, die abgesehen von der EU-Mitgliedschaft ein beispielloses Regelungswerk darstellt.

4)      Der Europäische Rat von Helsinki (1999), auf dem die Türkei hinsichtlich der Mitgliedschaft den gleichen Status erhalten hat wie die übrigen Beitrittskandidaten, und

5)      Der Europäische Rat von Kopenhagen (2002), auf dem festgehalten wurde, dass auf der Grundlage des “Fortschrittberichtes” der EU-Kommission, der im Herbst 2004 fertiggestellt sein wird, über die Eröffnung von Beitrittsverhandlungen mit der Türkei entschieden wird.

Bei all diesen strategischen Wendepunkten wurde die besagte These von den “kulturellen und historischen Unterschieden” nicht als Hindernis angesehen. Die angemessene Reaktion auf den Versuch von Personen, auch wenn sie keine Regierungsverantwortung inne haben, heute diese These hervorzubringen und auf die nur aus diesen Erwägungen aufgestellte Forderung, die Türkei von der Mitgliedschaft fernzuhalten, ist, diesen Kreisen zu empfehlen, die wichtigsten ethischen Grundregeln der internationalen Beziehungen zu beherzigen.

Und trotzdem, nur um die Diskussion interessanter zu machen, lassen wir diesen entscheidenden und grundsätzlichen Punkt für einen Moment außer Acht. Tun wir so, als ob wir nicht wüssten, dass die Ursprünge des Christentums nicht in Europa, sondern genau wie die des Judentums und des Islam im Nahen Osten liegen. Gehen wir einen Schritt weiter und verhalten uns so, als ob wir keine Kenntnisse über die Tatsache besitzen, dass Moslems und Christen auf dem Balkan unter der Jahrhunderte währenden türkischen Herrschaft, die sich auch auf die Zeit der Religionskriege erstreckte, in der Mitteleuropa leidvoll gelitten hat, friedlich und harmonisch zusammenlebten. Stellen wir uns auch vor, dass in der EU eine Geisteshaltung vorherrscht, die zu einer Abkapselung aus religiösen Gründen führt, die “Anderen” ausgrenzt, die EU-Identität auf das Christentum reduziert und eine Beziehung, die in mehr als vierzig Jahren sorgfältig aufgebaut wurde und den Interessen beider Seiten gedient hat, in eine Leere mit vielen Unbekannten drängt und der Türkei somit die EU-Mitgliedschaft vorenthält.

Wird das Ergebnis einer solchen Haltung tatsächlich den Interessen der Völker und der Staaten der EU dienen? Wird eine EU, die ihre Identität eingrenzend über das Christentum definiert, innerhalb eines “großen Europa”, das sich von Deutschland bis Bulgarien, von Frankreich und England bis nach Griechenland und Bosnien-Herzegowina, von Belgien und Holland bis nach Albanien und Mazedonien erstreckt und wo Millionen von Moslems und Menschen anderer Glaubens leben, nicht erst den Antrieb für einen bedenklichen Entfremdungsprozess innerhalb bestimmter Bevölkerungsteile geben? Und werden dadurch nicht mit der Zeit Mauern errichtet zwischen der EU und einigen europäischen Völkern und letztlich - in einer zunehmend kleiner werdenden Welt - zwischen der EU und den außereuropäischen nicht christlichen Nationen und Staaten, was mit der Zeit eine ziemlich große Last für die EU mit sich bringen könnte?

Kann wirklich erwartet werden, dass eine “auf eine bestimmte Religion reduzierende und ausgrenzende Einstellung” der Zielsetzung der EU, innere Eintracht und Stabilität ausgehend von dem Leitgedanken eines “geeinten Europas auf der Grundlage von modernen Werten” zu schaffen, dem Anspruch, in den kommenden Jahrzehnten ein überragender “Global Player” zu werden und schließlich der Vision, “ein sicheres Europa in einer besseren Welt”, wie es im Titel des in Ausarbeitung befindlichen EU-Strategiepapiers zu lesen ist, dient?

Andererseits, wenn die Identität der EU im Hinblick auf die These von der “gemeinsamen Geschichte” erörtert wird, ist festzustellen, dass in Wirklichkeit nicht alle europäischen Völker dieselben Ereignisse durchlebt haben und die gleichen Erfahrungen teilen, die angeblich im Laufe der Zeit Europa geeint haben: Das Römische Reich erstreckte sich nicht auf Skandinavien und Osteuropa: Skandinavien hat den Feudalismus nicht erlebt; die Renaissance hat Nord- und Osteuropa nicht erreicht; die Reformbewegung blieb auf das lateinische Christentum beschränkt. Kann vor diesem Hintergrund und angesichts der Tatsache, dass auf die Frage nach den gemeinsamen historischen Grundlagen einiger EU-Mitgliedsstaaten von heute – wie z.B. nach den Gemeinsamkeiten von Portugal und Finnland oder Griechenland und Irland – die Antwort ein tiefes Schweigen sein kann, die These, die ein Land, das seit Jahrhunderten mit Europa zusammenlebt und im europäischen Erbe tiefe Spuren hinterlassen hat, außerhalb der gemeinsamen europäischen Geschichte sieht, für diejenigen, die nicht Gefangene von Vorurteilen sind, überzeugend sein?

Wenn über die Beziehungen zwischen der Türkei und Europa im kulturellen und historischen Rahmen gesprochen wird, gibt es zweifelsohne auch andere Aspekte, die in Erwägung gezogen werden müssen. Das Zusammenleben des türkischen Volkes mit den verschiedenen europäischen und orientalischen Völkern über mehrere hundert Jahre hat dazu geführt, dass es dermaßen kulturell bereichert wurde, dass es seinesgleichen sucht. Dies mündete wiederum darin, dass das türkische Volk die beiden Identitäten, die auf den ersten Blick weit voneinander entfernt zu sein scheinen, mit größter Geschicklichkeit miteinander verbunden hat. Das Vorhandensein dieser beiden Eigenschaften in ihrer Kultur ermöglicht es der Türkei, eine Brücke zwischen den beiden verschiedenen Lebenswelten zu bauen. Angesichts der Tatsache, dass in Europa der Islam nach dem Christentum heute die zweitgrößte Religion darstellt, ist zu erwarten, dass die Mitgliedschaft der Türkei für die in Europa ansässigen Moslems eine erfreuliche und für die Entfaltung ihrer eigenen Identität günstige Atmosphäre schaffen wird, die eventuelle Spannungen religiöser und kultureller Natur verhindern wird. Zudem ist nachdrücklich darauf hinzuweisen, dass der EU-Beitritt der Türkei anderen Ländern mit ausschließlich oder mehrheitlich moslemischer Bevölkerung hinsichtlich ihrer Modernisierungsbemühungen als Vorbild dienen wird.

Die Türkei ist nicht nur hinsichtlich ihrer soziokulturellen Identität eine Synthese aus islamischer und westlicher Zivilisation; sie hat vielmehr eine reiche historische Erfahrung, die aus ihrer geographischen Lage resultiert. Anatolien war seit Tausenden von Jahren Wiege verschiedener Kulturen und Zivilisationen. Die hellenistische und die römische Zivilisation, die als Grundlage europäischer Zivilisation betrachtet werden, haben ihre Blütezeit in Anatolien erreicht. Viele Persönlichkeiten, von Herodot bis Thales, die die Fundamente europäischer Zivilisation gelegt haben, sind Söhne Anatoliens. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass sogar die Bezeichnungen “Europa” und “Paris” aus der Mythologie Anatoliens stammen. Ähnlich wie die Stätten des europäischen Kulturerbes, existieren auch die wichtigsten Gemeinden des Christentums nach Jerusalem auf dem Gebiet der modernen Türkei weiter. Es sollte nicht vergessen werden, dass es die islamische Zivilisation war, die die klassischen Werke der Antike während der Renaissance nach Europa überliefert hat. Zusammengefasst ist die Türkei - von den Hethitern bis Byzanz - die natürliche Erbin aller Zivilisationen, die auf ihrem Gebiet existiert haben.

Wenn alle diese Aspekte berücksichtigt werden, wird einzusehen sein, dass das historische und gesellschaftliche Erbe der Türkei und die daraus resultierende kulturelle Vielfalt ein seltenes Beispiel für das von der EU angestrebte “multikulturelle Europa” darstellt und Eigenschaften beinhaltet, die die europäische Identität bereichern werden. In der heutigen Zeit, in der viel über die These vom “Kampf der Kulturen” diskutiert wird, wird die EU-Mitgliedschaft der Türkei der ganzen Welt zeigen, dass die kulturellen Unterschiede zwischen den Ländern, die sich um gemeinsame Werte vereinigen, in einem “Schmelztiegel” harmonisiert werden können und bei der Debatte innerhalb der EU über das “künftige Europa” hinsichtlich der kulturellen Vielfalt behilflich sein werden. Es ist offensichtlich, dass dies ein lebendiger und überzeugender Ausdruck des Prinzips “in Vielfalt geeint” darstellen wird, welches in der Präambel des Entwurfs des “Vertrags über eine Verfassung für Europa”, der sich in der Endphase der Ausarbeitung befindet, betont wird.

Und die Bundesrepublik Deutschland...

Eine Betrachtung der Beziehungen Türkei-Europa aus der Perspektive der “kulturellen Integrationsfähigkeit” und der “Geschichte” abzuschließen, ohne die Besonderheit der türkisch-deutschen Beziehungen zu berücksichtigen, wäre ein inakzeptabler Mangel.

Aus Gründen der Zeitersparnis - und vertrauend auf das Erinnerungsvermögen – soll hier nicht auf die “historische” Ebene eingegangen werden. Was jedoch die “kulturelle Integrationsfähigkeit” betrifft, so ist es wahr, dass die Menschen, die aufgrund des Bedarfs der deutschen Wirtschaft und im Rahmen der bilateralen Abkommen Anfang der 60er Jahre auf den Bahnhöfen der deutschen Großstädte ankamen, ernsthafte Integrationsprobleme hatten. Dass diese Menschen aus den zu dieser Zeit am wenigsten entwickelten Gebieten Anatoliens, die das Schicksal in die Industriezentren Deutschlands verschlagen hat, ohne vorher eine türkische Kleinstadt gesehen zu haben, einen Kulturschock erlebt haben, dürfte eigentlich keine bemerkenswerte Überraschung sein.

Es ist ein natürliches Phänomen, dass Eltern ihre Kinder immer als Kinder sehen werden, unabhängig davon, wie alt sie sind. Ist es trotzdem angebracht, nach vierzig Jahren und wo wir uns im zweiten Jahrtausend befinden, von kulturellen Anpassungsproblemen der Türken zu sprechen? Das aktuelle Bild wird von Menschen geprägt, von denen 600.000 die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen, von denen mehr als 500.000 in diesem Land Bildungsstätten besuchen; von denen ca. 57.000 Unternehmer und Arbeitgeber von 300.000 Beschäftigten sind und in Deutschland ein Umsatzvolumen von 16 Milliarden erwirtschaften; die in den Bundestag und in die Landtage gewählt werden und in den politischen Parteien, von der SPD bis zur CDU, von den Grünen bis zur FDP, sowie in verschiedenen Zivilgesellschaften aktiv mitwirken; die an den deutschen Universitäten und in den Bereichen der Wirtschaft, der Kunst, der Finanzen und des Sports ausgewählte Positionen bekleiden. Ist es möglich, dieses Bild mit dem der damaligen “Gastarbeiter” zu vergleichen? - wobei nicht vergessen werden sollte, dass diese bei der wirtschaftlichen Entwicklung dieses großen Landes einen bedeutenden Beitrag geleistet haben. Wenn von der “kulturellen Anpassungsfähigkeit” gesprochen wird, ist es dann richtig, 90.000 Mischehen unbeachtet zu lassen? Da der weitere Verlauf der Geschichte nach vorne gerichtet ist, wird die deutsche Gesellschaft in der näheren Zukunft über die namenlosen “Gastarbeiter”sprechen, die ihre Rolle gespielt und die Bühne verlassen haben, oder über hervorragenden Persönlichkeiten aus der Wirtschaft wie Kemal Íahin und Vural Öger, oder den Spielmacher der Basketball-Nationalmannschaft Mithat Demirel, das Mitglied des Bundestages Lale Akgün, den Schriftsteller Akif Pirinçci, den Schwergewichtseuropameister im Boxen Íamil Sam, über die weltberühmten Duett-Pianistinnen Güher und Süher Pekinel und über viele, viele andere, die sich in ihren Bereichen von den Erfolgen der Genannten inspirieren lassen und lassen werden.

Zum Schluss eine letzte Bemerkung zu den Sorgen hinsichtlich der “kulturellen Anpassungsfähigkeit” der Türkei und der türkischen Bevölkerung: Sind es die folgenden Beispiele, die derartige Zweifel rechtfertigen und die nicht mit einem EUKandidaten assoziiert werden können?

-          Die Fußballmannschaft Galatasaray Istanbul hat im Jahr 2000 den UEFA-Pokal gewonnen.

-          Die türkische Basketballnationalmanschaft der Herren wurde im Jahre 2001 Vizemeister bei der Basketball-Europameisterschaft.

-          Die Fußballnationalmannschaft der Türkei erreichte im Jahre 2002 den dritten Platz bei der Fußball-Weltmeisterschaft.

-          Die Basketballmannschaft der Herren des Bursa-Kurtulu‚-Gymnasiums wurde im Jahre 2003 Weltmeister bei der intergymnasialen Basketball-Weltmeisterschaft.

-          Süreyya Ayhan wurde im Jahre 2003 Europameisterin über 1.500 Meter bei den Leichtathletik-Europameisterschaften und Vize-Weltmeisterin in der selben Disziplin bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften.

-          Nuri Bilge Ceylan bekam den “Grand Jury Prize“ auf dem Filmfestival in Cannes (2003).

-          Sertap Erener gewann 2003 den “Grand Prix d’Eurovision”.

-          Dem türkischen Schriftsteller Orhan Pamuk wurde der angesehene Literaturpreis “Impac Dublin” verliehen.

-          Die türkische Volleyballnationalmannschaft der Frauen wurde Vize-Meister bei der Europameisterschaft (2003).

Was gibt es in der Türkei?

Bevor ich meine Ausführungen in Bezug auf die Behauptung, eine kulturelle Integration der Türken sei unmöglich, wobei es sich oft um eine “Vorverurteilung” handelt, abschließe, wäre es zutreffend, die Lage in der Türkei, die von einigen Personen und Autoren leichtsinnigerweise als eine “Gesellschaft der Männer” bezeichnet wird, näher zu betrachten. Türkische Frauen haben das aktive und passive Wahlrecht sehr viel früher bekommen als die Frauen in vielen anderen europäischen Ländern. In der Türkei sind 47 % der Schüler, 48 % der Gymnasiasten, 41 % der Studenten, 24 % der Rechtsanwälte, 18 % der Richter, 35 % der Ärzte, 42 % der Apotheker und 51 % der Architekten weiblich. Frauen nehmen in der Türkei an allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens teil: in den schönen Künsten und im Sport, in der Medizin, im diplomatischen Dienst, in der Politik, in den Medien, im Tourismus, in der Mode, in den Streitkräften, im Handel und in zivilgesellchaftlichen Organisationen. Unterstützen diese Tatsachen etwa die vorgenannte Behauptung, die Türkei werde sich nicht an die EU anpassen können? Würden diejenigen, die auf diese Frage nicht mit Schweigen antworten würden, auch den Namen der Rektorin der Technischen Universität Istanbul, den Namen der Präsidentin des Türkischen Amtes für Gerichtsmedizin, den Namen der Botschafterin der Türkei beim Vatikan oder die Namen einiger türkischer Theologieprofessorinnen erwähnen?

In diesem Zusammenhang muss zwangsläufig auch folgende Frage gestellt werden: Warum bevorzugen es jährlich mehrere tausende Rentnerinnen und Rentner aus Europa, insbesondere aus Deutschland, sich in der Türkei niederzulassen? Etwa deswegen, weil “die Türkei” nicht das Land und die “Türken” nicht die Gesellschaft sind, wo Europäer in kultureller Hinsicht - in ihrer umfangreichsten Bedeutung – nicht in Harmonie leben können? Das sind wahrscheinlich die Personen, die auf die Frage “was gibt es in der Türkei?” die überzeugendste Antwort geben können.

Im Lichte meiner bisherigen Ausführungen kann ich nicht umhin, die folgenden Fragen zu stellen: Inwieweit kann die Haltung gerechtfertigt werden, den Aspekt der “kulturellen Anpassung” heute auf die Tagesordnung zu setzen, die die Vision des legendären Bundeskanzlers Konrad Adenauer - einer der hervorragendsten Staatsmänner der europäischen Geschichte - nicht beeinträchtigt hat, als im Jahr 1963 zwischen der Türkei und der EWG, der Vorgängerin der EU, ein Assoziationsabkommen mit dem Ziel einer Vollmitgliedschaft unterzeichnet wurde. Ist es der richtige Zeitpunkt, wo die Suche nach “einem sicheren Europa in einer besseren Welt” auf der Agenda steht, den Ausschluss der Türkei vor dem Hintergrund der Haltung, eine kulturelle Harmonie mit der Türkei sei nicht möglich, zu erwägen?

Ich möchte dieses Thema mit einer letzten Frage abschließen und dann meine Ausführungen fortsetzen. Worin liegt das eigentliche Problem hinsichtlich der “kulturellen Anpassungsfähigkeit”? Abgesehen von Vorurteilen und mit Vorurteilen behafteten Personen - oder wie Albert Einstein einmal so treffend gesagt hat: es ist einfacher ein Atom zu spalten als ein Vorurteil auszuräumen - liegt es etwa an dem Unterschied zwischen denjenigen, die die Türkei besucht haben, und denjenigen, die diese Gelegenheit nicht hatten? Oder - und das ist natürlich noch wichtiger - liegt es an dem Unterschied zwischen denjenigen, die so verantwortungsbewusst sind, sich vor einer Meinungsbildung über die Türkei und die Türken diesbezüglich sachlich zu informieren, und denjenigen, die sich dafür nicht verantwortlich fühlen?

“In den Bereichen Menschen- und Minderheitenrechte sowie Grundfreiheiten liegt die Türkei weit hinter den EU-Normen zurück. In der Türkei gibt es Folter.”

In Bezug auf den ersten Satz lässt sich festhalten, dass dies die Lage vor 2-3 Jahren reflektieren kann. Nach den beschlossenen umfangreichen Reformen seit der Erlangung des offiziellen Status eines “Beitrittskandidaten” - insbesondere seit einem Jahr - und dank des absoluten Willens der türkischen Regierung, diese Reformen durchzusetzen, kann sich die Türkei gegen derartige Behauptungen verwahren. Zu dieser positiven Entwicklung hat auch die neue Dynamik beigetragen, die aus dem bestehenden Prozess in den Türkei-EU-Beziehungen entstanden ist. Die Türkei schätzt diese Tatsache sehr.

Andererseits hat die Menschheit “die vollkommene Gesellschaft” noch nicht erreicht - auch die Mitgliedsländer der EU haben dies nicht. Wie in anderen Ländern auch gibt es in der Türkei im Bereich Menschenrechte gewisse Defizite, die behoben werden müssen.

Es ist richtig, dass trotz einer Reihe von beschlossenen Gesetzes- und Verwaltungsmaßnahmen von Zeit zu Zeit Behauptungen von Folter erhoben werden. Wenn man sich jedoch in dieser Hinsicht eine Meinung bildet, muss man auch in Betracht ziehen, dass die neue türkische Regierung, die nach den Parlamentswahlen vom 3. November 2002 angetreten ist, erklärt hat, dass den Foltervorwürfen mit “Null-Toleranz” nachgegangen wird, und dass parallel zu dieser entschiedenen Haltung in der Anzahl der besagten Behauptungen im Vergleich zur vergangenen Periode eine beachtliche Reduzierung registriert wurde. Eine Tatsache, auf die in den aktuellen Berichten der Menschenrechtsorganisationen und -institutionen, u.a. des Anti-Folter-Komitees des Europarates, hingewiesen wird.

Es ist selbstverständlich, dass sich auch im Verlauf der stabilen Weiterentwicklung der Türkei-EU-Beziehungen hin zur Vollmitgliedschaft die Lage im Bereich der Menschenrechte verbessern wird, wie dies eben auch in allen anderen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens zu erwarten ist.

“Die Türkei liegt außerhalb der Grenzen Europas. Wenn die Türkei Mitglied der Europäischen Union wird, können die Beitrittsgesuche der Länder wie Marokko, Tunesien und Israel nicht zurückgewiesen werden. Dies gilt auch für die Ukraine und die Russische Föderation.”

Europa hatte niemals geographisch abgesteckte Grenzen. Die Grenzen der Europäischen Union sind auch noch nicht endgültig festgelegt. Die bisherigen Erweiterungsrunden der EU beruhten nicht auf geographischen Grenzen, sondern auf politischen Erwägungen. Die Bedingungen zur Aufnahme in die EU sind im Rahmen der bestehenden EU-Rechtsetzung in den “Kopenhagener Kriterien” definiert.

Zudem wurde die Tatsache, dass die Türkei geographisch zu Europa gehört, von allen europäischen Organisationen, in denen die Türkei seit Jahrzehnten Mitglied ist, und auch von der EU selbst bestätigt. Falls für Europa unbedingt geographische Grenzen bestimmt werden sollen, müssten diese auf jeden Fall östlich der Türkei verlaufen. Die Tatsache, dass ein künftiges EU-Mitglied, die Insel Zypern, östlich des größten Teils des türkischen Festlandes liegt, macht deutlich, dass die These, die Türkei gehöre aufgrund ihrer geographischen Lage nicht zur EU, jeglicher Grundlage entbehrt.

Was die Argumente in Bezug auf “Marokko, Tunesien und Israel” betrifft, so ist darauf zu verweisen, dass diese Länder, mit denen die Türkei enge und intensive Beziehungen pflegt, in keiner der europäischen Organisationen Mitglied sind. Zudem wurde der Beitrittsantrag Marokkos vor etlichen Jahren von der EU mit der Begründung zurückgewiesen, dieses Land befinde sich nicht in Europa.

Ferner können die Beziehungen der Ukraine und Russlands zur Europäischen Union weder in historischer noch in vertragsrechtlicher oder tatsächlicher Hinsicht mit denen der Türkei zur EU verglichen werden.

“Mit der EU-Mitgliedschaft der Türkei wird sich die EU bis an die Grenzen des Iran, des Irak und von Syrien ausdehnen. Dies wird der EU ernsthafte Probleme bereiten.”

Es ist falsch anzunehmen, die EU werde von der instabilen Lage im Nahen Osten noch mehr tangiert, wenn sie die Türkei aufnimmt und sich dadurch bis zu den Grenzen dieser Region ausdehnt. In einer globalisierten Welt wird Europa von allen Entwicklungen in allen Regionen dieser Welt – ob nah oder weit entfernt – unmittelbar betroffen. Bei diesem Argument wird zudem übersehen, dass Europa durch die NATO-Mitgliedschaft der Türkei seit langem Nachbar des Nahen Ostens ist. 

Eine EU-Mitgliedschaft der Türkei wird die Europäische Union dieser “explosiven” Region in politischer Hinsicht annähern. Die EU wird durch das Mitgliedsland Türkei wesentlich größere Möglichkeiten haben, zum Frieden und zur Stabilität in dieser Region beizutragen und eventuelle Risiken für ihre eigene Sicherheit zu vermindern.

Der Nahe Osten ist eine Region, wo sich die Wurzeln der drei monotheistischen Religionen und die wichtigsten Energiequellen der Welt befinden. Wenn die mögliche demokratische, soziale und wirtschaftliche Entwicklung der Länder dieser Region in 20 bis 30 Jahren in Betracht gezogen wird, zu der die Türkei mit der aus ihrer besonderen kulturellen Identität und ihrer strategischen Lage resultierenden Dynamik beitragen wird, ist zu sehen, dass wahrscheinlich der größte Beitrag der Türkei darin liegen wird, dass die EU durch die Mitgliedschaft der Türkei direkter Nachbar dieser Region werden wird.

“Die Türkei ist ein großes Land. In ihrer jetzigen Lage wird sie für die EU eine große finanzielle Belastung darstellen. Sie wird sich an die geltenden EU-Normen nicht anpassen können und wird die Entscheidungsmechanismen der EU grundlegend ändern.”

Die demographische Größe der Türkei stellt kein so schwerwiegendes Problem dar, wie oft behauptet wird. Die Bevölkerung der Türkei wird nie 100 Millionen Einwohner erreichen, wie dies von manchen Personen, unter denen sich leider auch Einige befinden, die einen angesehenen Titel wie “Historiker” tragen, geäußert wird. Anders als von diesen Personen willkürlich bzw. gezielt vertreten wird, liegt die Rate des Bevölkerungswachstums der Türkei weder bei 2,4 % noch bei 3,0 - 3,5 %, sondern bei 1,5 %. Nach verschiedenen unabhängigen Untersuchungen, deren Ergebnisse miteinander übereinstimmen, wird die Bevölkerungszahl der Türkei, die heute 67 Millionen beträgt, in ca. 20-25 Jahren ihren höchsten Stand erreichen und sich dann auf ca. 80 Millionen Menschen belaufen. Zudem ist zu erwähnen, dass die Türkei innerhalb einer EU, deren Gesamtbevölkerung zusammen mit den Balkan-Ländern 600 Millionen Einwohner erreichen wird, mit ihrer Bevölkerung eine Minderheit mit einem Anteil von etwas mehr als 10% darstellen wird.

Für die europäische Wirtschaft wird die Türkei in den nächsten Jahrzehnten ein gesicherter großer “Markt” sein. Die türkische Wirtschaft verfügt über eine - wie Wirtschaftsexperten von Zeit zu Zeit mit Erstaunen feststellen - äußerst beständige und dynamische Struktur. Trotz der aufeinanderfolgenden Erdbebenkatastrophen und der großen Finanzkrise Anfang 2001 hat sich die türkische Wirtschaft innerhalb von zwei Jahren erholt. Im Jahre 2002 verzeichnete die Türkei eine Wachstumsrate von mehr als 8%.

Darüber hinaus hat die Türkei die Arbeiten zur Angleichung ihrer Rechtsvorschriften an die EU-Rechtsetzung mit dem Inkrafttreten der “Zollunion” im Jahre 1996 eingeleitet. Sie hat diese Arbeiten während ihres Beitrittsprozesses weiter intensiviert. Dabei wurden bezüglich der im Rahmen der 2001 und 2003 beschlossenen “Nationalprogramme” festgelegten Ziele wichtige Fortschritte erzielt. In diesem Zusammenhang soll auf die Tatsache hingewiesen werden, dass die finanzielle Unterstützung der EU-Kommission an die Türkei während dieses Prozesses im Vergleich zu der der anderen Beitrittskandidaten sehr begrenzt war. Die große Leistung der Türkei bei der Anpassung an die EU-Normen, die viele Kreise in Erstaunen versetzt hat, ist ein Garant dafür, dass sie ihre Verpflichtungen nach der Aufnahme von Beitrittsverhandlungen in einem angemessenen Zeitraum zufriedenstellend erfüllen wird. Angesichts dieses Umstandes wäre es ungerecht zu behaupten, die Türkei sei nicht in der Lage, die geltende EU-Rechtsetzung zu übernehmen und umzusetzen.

Die Türkei wird mit den strukturellen Reformen, die in den nächsten zehn Jahren durchgesetzt werden, ihr junges und dynamisches Potential in Bewegung setzen, sich auf diese Weise noch mehr an die EU annähern und, anders als vermutet, für den EU-Haushalt keine große Belastung darstellen.

Dass die Türkei die 1996 in Kraft getretene “Zollunion” ohne eine ernsthafte Finanzhilfe seitens der EU verwirklicht hat, stellt wahrscheinlich den beständigsten Beweis für die Anpassungsfähigkeit der türkischen Wirtschaft dar. Ein unumstrittenes Argument kann darin gesehen werden, dass die Türkei, die einen fortgeschrittenen Integrationsprozess in den Bereichen Wirtschaft und Handel mit den wirtschaftlich besser entwickelten Ländern ohne großen finanziellen Aufwand für die EU durchgesetzt hat, auch im Falle ihrer EU-Mitgliedschaft keine große finanzielle Belastung für den EU-Haushalt verursachen wird. Zudem ist darauf zu verweisen, dass in der Türkei seit dem Inkrafttreten der Zollunion ein großes Handelsdefizit zu verzeichnen ist und dadurch ein Devisentransfer aus der Türkei in die EU erfolgt. Die Erfahrung “Zollunion” zeigt die Kraft und die Wettbewerbsfähigkeit der türkischen Industrie. Es wäre keine zu gewagte Prognose zu sagen, dass die Türkei, die eine Wachstumsrate von 8% aufweist und deren pro Kopf Einkommen nach konservativen Berechnungen in weniger als 20 Jahren 10.000 USD erreichen wird, für den EUHaushalt keine Belastung darstellen wird, sondern ganz im Gegenteil mit ihrer Wirtschaftskraft in der gesamten EU-Region eine wirtschaftliche Dynamik hervorrufen wird.

Ferner ist es nicht zutreffend, dass die Türkei die Entscheidungsmechanismen der EU, in der Beschlüsse größtenteils noch im Konsens gefasst werden und zunehmend das Mehrheitssystem an die Stelle von Einstimmigkeit tritt, alleine beeinflussen wird. Jedem ist bekannt, dass die bestehenden Probleme bei der Beschlussfassung der EU gelöst werden müssen, auch wenn die Türkei nicht Mitglied wird. Daher wird die Mitgliedschaft der Türkei in einer EU, die sich in der Umstrukturierung befindet, keine schwerwiegenden Probleme hervorbringen.

Das Wichtigste ist jedoch, dass der Vollzug des Beitritts nach Abschluss der Verhandlungen bedeuten wird, dass „die Türkei alle Vorraussetzungen, sowohl die politischen als auch die wirtschaftlichen, erfüllt“. Darüber hinaus ist es, wie eingangs erwähnt, auch eine mögliche Vorgehensweise, in den ersten Jahren der Mitgliedschaft die Inanspruchnahme der zustehenden Rechte zu beschränken, wie dies zuvor bei anderen Beitritsländern praktiziert wurde.

Aus dem Vorgenannten lässt sich schließen, dass die Behauptung, die Mitgliedschaft der Türkei würde eine Belastung für die EU darstellen, zumindest „äußerst übertrieben“ ist. Ein oft zitierter Ausspruch eines bekannten Europäers dient als gute Überleitung zu einem weiteren Thema: „Alles, was übertrieben ist, ist bedeutungslos.“ (Talleyrand)

„Wenn die Türkei Mitglied wird, werden Millionen von Menschen aus diesem Land nach Europa auswandern. Türkische Arbeiter werden Europa überschwemmen.“

Es ist festzustellen, dass oft versucht wird, diese Ansicht zu verbreiten, um in der europäischen Öffentlichkeit in Bezug auf die Mitgliedschaft der Türkei Ängste zu schüren. Diese Einschätzung beruht jedoch weder auf einer ernsthaften Studie noch auf wissenschaftlichen Untersuchungen.

Es ist eine historische Tatsache, dass die Türken nicht, sofern sie dazu nicht gezwungen oder aufgefordert werden, in Regionen auswandern, in denen mehrheitlich für sie Fremde leben, und dass sie es traditionell bevorzugen, innerhalb ihres eigenen Landes zu leben. Es handelt sich um eine falsche Annahme, dass der durchschnittliche türkische Bürger seine eigene Heimat verlässt und in andere Länder auswandert, wenn in seiner Heimat Mindestlebensstandards sichergestellt werden. Dass bis Anfang des 20. Jahrhunderts Menschen aus vielen Ländern nach Amerika, Kanada und Australien auswanderten, aus Anatolien jedoch keine Auswanderung erfolgte, unterstützt diese Sichtweise.

Es darf nicht vergessen werden, dass die überwiegende Mehrheit der heute in Europa lebenden Türken im Rahmen bilateraler Abkommen dorthin gerufen wurde. Zudem sollte hervorgehoben werden, dass viele Arbeitnehmer und ihre Familien, nachdem sie die nötigen wirtschaftlichen Bedingungen in der Türkei geschaffen haben, aus den europäischen Ländern, in denen sie leben, in ihre Heimat zurückkehren. In diesem Zusammenhang übersiedeln allein aus Deutschland jährlich 40.000 türkische Staatsbürger wieder in die Türkei. Es wird davon ausgegangen, dass seit den 60er Jahren bis heute ebenso viele Türken aus Deutschland zurückgekehrt sind wie derzeit in diesem Land leben (2,5 Mio. Menschen).

Zudem wurden im Hinblick auf Länder wie Griechenland, Spanien und Portugal, deren Wirtschaft beim Beitritt schwach war, vehement dieselben Sorgen vorgetragen, die sich jedoch nachher nicht bewahrheitet haben.

Mit der wirtschaftlichen Neuordnung der Türkei während des Beitrittsprozesses und der Steigerung des Lebensstandards ihrer Bürger wird natürlich die Wahrscheinlichkeit der Auswanderung ins Ausland abnehmen. Andererseits sollte nicht übersehen werden, dass angesichts der demographischen Trends in Europa und um den Mangel an Arbeitskräften auszugleichen, wie in der Vergangenheit wieder ein größerer Bedarf an türkischen Arbeitnehmern, diesmal jedoch vielmehr an gut ausgebildeten Menschen, bestehen könnte.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass angesichts der oben aufgeführten Tatsachen, die nicht durch Vorurteile und/oder Propaganda dauerhaft zu überdecken sind, die Behauptung, die Türkei gehöre aus kulturellen und historischen Gründen nicht zur EU, unangebracht ist und dies zudem im Hinblick auf die Interessen der EU ernsthafte Bedenken hervorrufen kann. Ebenso entbehrt die These, die Türkei könne aus kulturellen und historischen Gründen zur EU gehören, die EU könne sie jedoch aus wirtschaftlichen, strategischen oder sonstigen Gründen nicht aufnehmen, jeder Grundlage. Anstatt mit derartig abgenutzten Argumenten weiterhin Energie zu verschwenden und unnötige Spannungen hervorzurufen, ist es vermutlich vernünftiger/europäischer, sich auf die Sichtweisen zu konzentrieren, die dabei behilflich sein können, dass die historisch verwurzelten Gemeinsamkeiten, die auch den vielseitigen Interessen der EU und der Türkei zufriedenstellend gedient haben, in stabiler Weise ihr endgültiges Ziel erreichen.

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„Das reicht nicht aus. Bevor das Zypern-Problem nicht gelöst wird, wird nicht mit den Beitrittsverhandlungen begonnen.“

Zypern ist ein Konflikt,

1)      der weit in die Geschichte der türkisch-griechischen Beziehungen zurückreicht;

2)      der äußerst kompliziert und für beide Seiten höchst sensibel ist;

3)      für den eine Lösung gefunden werden muss, die für beide Seiten akzeptabel und folglich dauerhaft ist;

4)      der gegenwärtig keine Bedrohung für den regionalen und internationalen Frieden darstellt.

Dieser Text, der die Beziehungen Türkei-EU behandelt, soll nicht noch einmal die gegenseitigen Wahrnehmungen, Meinungen und Standpunkte in Bezug auf den Zypern-Konflikt wiederholen. Zudem wäre ein derartiger Versuch ungewollt dem Vorwurf ausgesetzt, “nicht unparteiisch zu sein”.

Jedoch sollte die oben genannte Ansicht, die diese Ausführungen erforderlich macht, auch nicht unbeantwortet bleiben. Zuvor wäre es gleichwohl angebracht, dazu einige Fragen zu stellen: Wenn es noch 14 Monate bis zum Dezember 2004 sind, die genutzt werden können, kann der Einwand „Ohne Lösung des Zypern-Problems können die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei nicht aufgenommen werden“ Ausdruck des politischen oder guten Willens sein, der bei den beiden betreffenden (ob direkt oder indirekt) Konfliktparteien vorhanden sein muss, damit eine Lösung gefunden wird, die es verdient, so bezeichnet zu werden? Ist es falsch oder ungerecht, die Meinung „Ohne Lösung des Zypern-Problems können die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei nicht aufgenommen werden“ als Ausdruck dessen anzusehen, dass die zyperngriechische Seite entschlossen ist, keinen Schritt in Richtung Lösung zu unternehmen, die, um dauerhaft zu sein, von beiden Konfliktparteien eine vernünftige Flexibilität erfordert? Und ist es falsch oder ungerecht, daher diese Meinung als voreilige Annahme zu betrachten, eine Lösung bis Dezember 2004 sei nur durch einseitige Kompromisse der zyperntürkischen Seite möglich? Kann diese Ansicht anders verstanden werden, als dass die Lösung so sein sollte, wie es eine der Seiten - also die zyperngriechische Seite – wünscht und die Meinungen und Sorgen der anderen Seite missachtet werden? Ist das realistisch, konstruktiv, gerecht oder moralisch? Kann dieselbe Haltung als ein gutes Beispiel für einen Geist angesehen werden, der die grundlegende materielle und geistige Beziehungssystematik zwischen Partnern dominieren sollte? Wenn es einmal unternommen werden würde, auf die folgende Frage, die noch nie beantwortet wurde, „Ist ‘Zypern’ es deshalb wert, in die EU aufgenommen zu werden, weil die eine Seite den Annan-Plan akzeptiert hat, während der anderen - türkischen- Seite vorgeworfen wird, ihn in der vorgeschlagenen Weise nicht akzeptiert zu haben?“eine Antwort zu geben, wird diese dann nicht gewisse Dinge enthalten, die der Verstand eines jeden Bürgers ablehnt und die sein Gewissen beunruhigen? Der Zypern-Konflikt hat bislang großen Schaden von Dritten genommen, die einseitigen Druck für den Ausweg hielten, da sie die komplizierte Struktur und die damit verbundenen Sensibilitäten nicht richtig begreifen können oder nichts daran finden, diese zum Teil bzw. ganz außer Acht zu lassen. Kann tatsächlich gehofft werden, dass die Anstrengungen, die mit demselben Verständnis unternommen werden sollen, dem Zypern-Konflikt diesmal nutzen werden? Bislang jedenfalls haben sie nicht wesentlich zu einer vernünftigen Lösung beigetragen. Um die Wahrheit zu sagen, haben sich diejenigen, die die Entwicklung seit Jahrzehnten von außen verfolgt haben, hinter dem Vorwand versteckt, dass dieser Konflikt nicht gelöst wurde, und haben damit eine mögliche Krise in den Türkei-EU-Beziehungen heraufbeschworen bzw. sich gegenüber einer möglichen Krise gleichgültig verhalten. Kann diese Haltung als verantwortungsvoll bezeichnet werden? Warum geht man dieses Risiko ein? Etwa in dem Glauben, dass - wie einige „skeptische“ türkische Journalisten warnen - man aus anderen Vorwänden und Gründen bereits beschlossen hat, die Türkei nicht in die EU aufzunehmen, und jetzt möchte, dass der türkischen Diplomatie der Handlungsspielraum entzogen wird, ehe diese Tatsache ganz ans Tageslicht kommt und die Zypern-Frage von der Tagesordnung gestrichen wird, damit sie künftig für die EU kein Problem mehr darstellt?

Kann man sicher sagen, dass wünschenswerte Ergebnisse im Hinblick auf den Zypern-Konflikt, die türkisch-griechischen Beziehungen und die Interessen der EU erzielt werden, wenn die Türkei gezwungen wird, sich rasch und unbedingt zwischen einerseits der Wahrung ihrer rechtmäßigen Ansprüche und Interessen in Zypern und andererseits der Verbesserung der Beziehungen zur EU zu entscheiden? Ist es in diesem Zusammenhang vernünftig, die Hoffnung darauf zu setzen, dass nach den Parlamentswahlen im zyperntürkischen Teil im kommenden Dezember die innere Solidarität der türkischen Seite geschwächt wird? Ist es nicht etwa an der Zeit zu versuchen, mit der Einstellung „du und ich“ vorzugehen, anstatt darauf zu beharren, Zypern und andere schwierige und sensible Themen mit der Sichtweise „du oder ich“ zu betrachten?

Wenn man es bei diesen Fragen belässt und zu der Auffassung „Ohne Lösung des Zypern-Konfliktes können die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei nicht aufgenommen werden“ zurückkehrt, erscheint es zunächst angebracht, dem entgegenzusetzen, dass auf dem EU-Gipfel in Helsinki, als der Türkei der Kandidatenstatus verliehen wurde, in die Protokolle aufgenommen wurde, dass Zypern kein politisches Kriterium (für die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen), sondern ein Thema des politischen Dialogs zwischen der EU und der Türkei darstellt. Eine Kopie des Briefes des damaligen Ratspräsidenten, des finnischen Ministerpräsidenten Lipponen, vom 10. Dezember 1999 an den Ministerpräsidenten Ecevit, der selbstverständlich in den aquis communautaire der EU aufgenommen worden ist, wurde in der Presse abgedruckt und ist diesen Ausführungen beigefügt.

Zweitens ist zu erwähnen, dass nach den Regeln für den Beitritt zur EU (Agenda 2000) Konflikte zum Zeitpunkt des Beitritts gelöst worden sein müssen.

Als drittes, jedoch nicht minder wichtiges Argument ist anzuführen, dass die türkische Regierung, um zum Erfolg der Initiativen zur Lösung des Zypern-Konfliktes beizutragen, ernsthafte Bemühungen unternommen hat und den Willen hat, weiterhin alles zu unternehmen, sich jedoch bewusst ist, dass das Problem nicht nur mit den Schritten der türkischen Seite zu lösen sein wird.

Die Initiativen zur Lösung des Zypern-Konfliktes, die vom Annan-Plan profitieren und in diesem Rahmen fortgeführt und intensiviert werden, sind aufrichtig und ohne Zögern zu befürworten. Ruft man sich jedoch das Obengenannte ins Gedächtnis, wäre es nicht Ausdruck einer Identität, die eher europäische wäre, diesen Beharrungsbemühungen, die der Vernunft widersprechen und unerwünschte Entwicklungen hervorrufen könnten, ein Ende zu setzen, anstatt sich immerzu auf das Argument „Ohne Lösung des Zypern-Konfliktes können die Beitrittsverhandlungen nicht aufgenommen werden“ zu versteifen?

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Neben den Türkei-EU-Beziehungen bemühen wir uns, die Themen Zypern, Ägäis und die türkisch-griechischen Beziehungen vom 20. ins 21. Jahrhundert zu transportieren. Dies ist ein Prozess, auf dessen Weg es Fehler geben wird, die die menschliche Natur hervorbringt, die jedoch unbedingt vermieden werden müssen. Diese sind, sich dabei zu verkalkulieren, etwas Wichtiges zurückzulassen und etwas Überflüssiges mitzunehmen, bei der Verpackung unordentlich zu sein, beim Transport und der Versicherung zu geizen und, wenn die Kisten geöffnet werden, unvorsichtig und überstürzt ans Werk zu gehen.

Diese Fehler werden mit einem Vielfachen bezahlt. Wenn man parallel zu den Türkei-EU-Beziehungen versucht, die Themen Zypern, Ägäis und die im Allgemeinen sensiblen Beziehungen zwischen der Türkei und Griechenland von einer belasteten Vergangenheit in eine gemeinsame Zukunft auf der Grundlage eines Partnerschaftsverständnisses mit gesichertem Profit zu überführen, ist es wichtig, um spätere Situationen der Reue zu vermeiden, bei der Entscheidung, was warum wichtiger ist, keinen Fehler zu begehen, nicht den Karren vors Pferd zu spannen und die Spreu vom Weizen zu trennen.

Alle betroffenen Seiten sollten es als ein „Befehl der Vernunft“ betrachten, so zu handeln, dass man sich an die Geschichte korrekt erinnert und den Willen zum Aufbau einer gemeinsamen Zukunft zeigt, und dazu beitragen, dass die Bemühungen zur inhaltlichen Lösung der Probleme zwischen der Türkei und Griechenland, die auch die kommenden Generationen akzeptieren und aufrechterhalten mögen, auf ausgeglichene, ordentliche und sichere Weise bewertet und unter dem Dach der EU gekrönt werden. Es ist gewiss, dass zu einer ziemlich schwierigen Zeit der Menschheitsgeschichte, in der Vieles nicht an seinem angestammten Platz bleibt, ein ruhiges Geschichtsbewusstsein, das frei von Vorurteilen und übermäßigem Ehrgeiz ist, das Bemühen, weit über den Horizont zu blicken, und beim Entwurf der Zukunft eher zu integrieren als auszugrenzen, dauerhaftere Geschenke sein werden als opportunistische Zwänge.

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„Ein sicheres Europa in einer besseren Welt“... Die laizistische Türkei, die seit mehr als 600 Jahren in Europa beheimatet ist, hat es geschafft, auf die modernen Ziele der Republik zuzuschreiten, ohne dabei je das Orientierungsgefühl Atatürks zu verlieren, und dies trotz der gelegentlichen Fehler ihrer Führenden und der